300km Brevet – Langstrecke mit dem Rennrad in Hamburg

Ideale Ausstattung für den 400km Brevet
Das Ruby ist gut für den Brevet ausgestattet

WHAT?! Schon wieder? Ja, ich bin schon wieder Langstrecke gefahren. Noch länger. 309 km um genau zu sein. Am Stück. An einem Tag.

Und das war Absicht.

Radfahrern und Amnesie scheinen, zumindest bei Langstrecke mit dem Rennrad nah bei einander zu liegen, denn meine 200km-Fahrt scheint noch gar nicht lange her zu sein, schon bin ich wieder für einen Brevet angemeldet.  Diesmal sollten es 300 km werden und diese starteten mit dem obligatorischen Nudelfutterm und einer mittelmäßigen Wettervorhersage. Aber nachdem es die gesamte Woche über geregnet hatte und sogar Schnee gefallen war, der liegen blieb, konnte es nur besser werden, denn es waren tatsächlich zweistellige Temperaturen angesagt. WOW! 10 Grad. Es sollte also WARM werden.

Keine Tankstelle ohne Randonneure
Das Leben auf der Tankstelle beim Brevet

Wetter? Läuft!

Angesagt waren also maximal 10 Grad und Bewölkung bis Regen. Simon wollte sein „Ölzeug“ einpacken und tatsächlich eine Regenhose einpacken. Ich kam ins Grübeln, wie das Wetter wohl morgen werden sollte. 300km bei Regen? Ideale Voraussetzungen. Immerhin war wenig Wind angesagt und mit Glück sollte diese sich über den Tag mit uns mit drehen. Ich ging mit gemischten Gefühlen ins Bett.

5:00 Aufstehen. Zu früh.

Beinahe schon routiniertes Programm vor Langstrecke mit dem Rennrad. Kaffee. Brötchen schmieren. Letzte Sachen einpacken. Rad unter den Arm geklemmt und husch mit mit dem Auto nach Rothenburgsort. Nervosität überkommt mich. Ja, hätte ich auch mit dem Rad hinfahren können, nächstes mal 😉 Mein Hirn matert mich…

  • Wie wird die Runde werden?
  • Was macht das Wetter?
  • Wie windig wird es?
  • Was will ich essen?
  • Wann sind wir endlich da?
  • Hab ich einen Platten?
  • Wie lange kann ich sitzen?
  • Was packe ich alles ans Rad?
  • Was haben die denn alles in ihren Rucksäcken drin?

Fragen über Fragen…

Und noch einige andere Fragen geisterten mir durch den Kopf, doch sobald wir am Start standen, hatte ich Lust auf die Runde. Es war nicht so kalt wie ich dachte morgens und ich hatte mich doch spontan noch für Regenjacke und warme Handschuhe entschieden. Eine Windjacke hatte ich schon an. Eine Regenjacke noch in die Trikottasche gesteckt.

Kaltes Wetter Rennrad Thermojacke
Kalt: Thermojacke, Knielinge und Mütze halten warm!

Für Eilige:

  1. Start
  2. Erste Kontrolle
  3. Zweite Kontrolle
  4. Dritte Kontrolle
  5. Vierte Kontrolle
  6. Fünfte Kontrolle
  7. Sechste Kontrolle
  8. Letzte Kontrolle

Start!

Es ging also los – Langstrecke! Ich kannte die ersten Kilometer aus dem FF. Ging es doch am Deich entlang und dann über Stemwarde weiter nach Osten. Die ersten Kilometer liefen flüssig, es fand sich eine Gruppe aus 8 Fahrern und Fahrerinnen und das Tempo war entspannt aber zügig. Bis zur ersten Kontrolle sollten es 70 Kilometer  sein und es kam tatsächlich die Sonne raus. Und sie schien! Die ganze Zeit! Super!

Erste Kontrolle. Berkenthin. KM71. Langstrecke beginnt.

Oil-Tankstelle mit Sonne. Wir gönnen uns eine kleine Pause. Ich esse meine beiden gekochten Eier und eine Kabanossi. Und schon geht es auch schon weiter. Über Utecht geht es Richtung Nordosten weiter die nächste Kontrolle ist gar nicht weit. Wir sind weiterhin zu acht und es läuft sehr gut. Alle Mitfahrer scheinen immernoch überrascht, dass die Sonne scheint,

Es ist wie Frühling! Mit blühendem Raps.

Zweite Kontrolle. Rehna. KM109.

Auch bis Rehna läuft es weiterhin gut und es ist so unglaublich schön draußen. Die Sonne wird unterbrochen von der einen oder anderen Wolke aber es ist weiterhin beinahe warm und es rollt gut, auch wenn immer wieder etwas miese Strassenbeläge und Kopfsteinpflaster müde machen. Ich hatte mir vorher das „Höhenprofil“ nicht angesehen und nun merkte ich, dass mich die immer wieder kleinen und großen Hügel in Mecklenburg und Schleswig-Holstein einige Körner kosteten. Aber wir strampelten die Hügel hoch und so freuten wir uns zusammen über die kleinen Abfahrten auf der Rückseite der Hügel. Nach weiteren 30 Kilometern kam schon die nächste Kontrolle.

Nabendynamo und Lampe verorgen Ruby mit Strom
Ruby ist mit einem SON ausgestattet und einer LUXOS

Dritte Kontrolle. Kittlitz. KM132.

An der dritten Kontrolle gab es leckeren Kuchen in Kittlitz im Dielencafe zu dem wir die Abbiegung fast verpassten. Im Augenwinkel sah ich noch das Schild „Dielencafe“ nach links weisen, aber als ich mich orientiert hatte und auf den Garmin geguckt hatte, waren wir schon vorbei gerollt.

Also zurück.

Ja, der Garmin hat Abbiegehinweise, das ständige Gebimmel macht mich aber irre. Das hab ich ausgemacht. Das hatten wir nun davon. Belohnt wurden wir mit leckerstem Kuchen und einem Platz in der Sonne! Wir genossen die Sonne und machten uns zügig wieder auf den Weg, denn bei der nächsten Kontrolle wollten wir Mittagspause machen und die Etappe war auch nicht so lang.

Vierte Kontrolle. Büchen. KM 168.

Yes! Halbzeit war durch. Wir hatten weniger vor uns als wir schon hinter uns hatten. Und nun war erstmal Mittag. Wir hatten uns vorher einen Asia-Imbiss ausgeguckt, der uns zwar etwas zuessen gab, aber des Hauses verwies. Es war schließlich Mittagspause.

Wir sollten woanders sitzen. Ernsthaft?!?!

Und so zogen wir kurzentschlossen ums Eck zum Bäcker und sonnten uns auf dem Penny-KIK-Parkplatz. Randonneurs-Romantik.

Nudeln beim 300km brevet füllen die Speicher auf
Mittagessen beim Brevet – Nudeln füllen die Speicher

Gut gestärkt machten wir uns wieder auf den Weg. Es folgt ein längeres Stück. Geradewegs nach Südwesten über Lauenburg über die Elbe und bis in die Nordheide. Die Kilometer zogen sich. Südlich der Elbe würde es ganz flach. Und sie Strecke ganz gerade.

Die Kilometer zogen sich noch mehr. Bei Kilometer 200 mussten wir absteigen. Wir waren bis zum Schiffshebewerk in Scharnebeck gekommen und wir mussten uns mal kurz hinlegen.

Kurz alles entspannen. Einmal liegen. Wunderbar.

Ich genoss die Entspannung und so waren es „nur“ noch 36 km bis zu nächsten Kontrolle.

Fünfte Kontrolle. Amelinghausen. KM236.

Ich as einen Riegel. Die Mitfahrer Espresso oder Eis. So saßen wir da. In der Shell in Amelinghausen nach 236 km.

Ich war gerade weiter gefahren als alle anderen Strecken dieses Jahr. Krass. Wo fängt eigentlich Langstrecke an? Bei 300km? Bei 200km? Ist doch auch egal, manchmal fühlt sich auch die Hausrunde nach Langstrecke an…

Aber es war noch weit.

Das wird mir dann irgendwie auch bewusst. Auf der Strecke war mein Kopf leer. Ich dachte an den letzten Brevet hier vor einigen Jahren auf einer ähnlichen Strecke und musste mit Simon lachen, weil wir hier vor einiger Zeit zufällig auf einer Wiese wieder als Gruppe zusammenfanden, nachdem wir alle mehr oder minder alleine unterwegs waren.

Eine fabelhafte Szenerie. Einer saß auf der Wiese, der Nächste flickte seinen Reifen, noch jemand stand am Rand. Noch jemand ging fürs Geschäft ins Gebüsch. Ein weiterer rollte von hinten an die Wiese heran und wir waren wieder alle zusammen. Es erschien mir wie im Traum.

Von Amelinghausen ging es wieder nach Norden. Durch die schöne Nordheide. Durch Kiefernwälder, ich hatte nicht mehr so große Lust. Aber aus Ermangelung von Optionen fuhr ich weiter. Ich warf einen prüfenden Blick zum Himmel. Unglaublich. Es war immernoch trocken.

Finish?

Das Finish war greifbar und das Wetter war immernoch gut! In Geesthacht fuhren wir wieder über die Elbe und es wurde langsam dunkel. Ich machte den Tannenbaum an (O-Ton Mitfahrer zu meiner Blinkbeleuchtung) und wir führen weiter gen Altengamme. Der Himmel brannte und über Hamburg war der spektakulärste Sonnenuntergang überhaupt!

Sechste Kontrolle. Altengamme. KM288.

Nun war es nicht mehr weit. Kurz ins Fährhaus rein. Stempel. Nicht mehr weit?!?! Denkste.

Noch immer 27 km.

Mit Sicherheit die Längsten. Es wurde dunkel. Und ich blickte auf die Straße. Die war nass. Hier hatte es geregnet. Wir hatten den ganzen Tag Sonne oder leichte Bewölkung. Wie toll was das denn?! Ein Langstrecken-Traum

Die letzten km waren ein Heimspiel aber auch irgendwie nervig. Fahren konnte ich noch ganz gut, aber ich hatte einfach keine Lust mehr. War nun auch egal….weiterfahren.

Letzte Kontrolle. Rothenburgsort. KM 315. (Mein Garmin sagte 309.)

Touchdown. Vorm Restaurant Chaplin begrüßte uns der Organisator mit einem High-Five, einem Wangetätscheln und den Worten: „Meeensch du siehst aber noch frisch aus“. Schlagartig ging es mir gut. Ich war happy!

Schnell die Karte abgegeben und nach Hause.

GEFINISHED. In 13 Stunden. Brutto 16,5.

Das lief!


Auch wenn ich schon mehrfach Langstrecke mit dem Rennrad gefahrenen bin, so sind die Erlebnisse doch immer wieder andere. Am Ende überwiegt der Stolz die Strecke geschafft zu haben und die Erkenntnis, dass es nicht länger hätte sein müssen….

Und vielen Dank an all die anderen Weggefährten! Es war eine gute Zeit!

Aber nun muss ich ein bisschen die Beine hochlegen…..

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