400km mit dem Rennrad – Einfach so? Wie geht Langstrecke?

400km mit dem Rennrad
400km mit dem Rennrad - Pausen sind wichtig

What? Schon wieder Langstrecke mit dem Rennrad? Muss das denn sein? Ja, was muss schon sein… Alles kann, Nussmix. So das Motto für 2021. Bereits im Frühsommer diesen Jahres habe ich mich für 400km auf das Rennrad geschwungen und eine längere Tour gemacht. Die Details gibts es dazu nun endlich auch hier im Blog.

Los geht´s!

Wohin geht´s?

Routenplanung ist ja meist ein eigenes Kapitel. Die Strecke sollte gut zu fahren sein, wenig Verkehr haben, aber nicht über zu viele Mini-Wege führen, dass man auch ein paar Meter macht. Und gelegentlich am Bäcker vorbei, den man dann auch binnen der Öffnungszeiten erreicht. Und wenn es dunkel wird, ist am liebsten auf bekannten Wegen entlang führen. Gar nicht so einfach. Und: für den Wind gut geplant sein. 400km Gegenwind müssen ja auch nicht sein. Am verlässlichsten finden sich gute Strecken bei (halb-) öffentlichen Veranstaltungen oder Brevets. Oder man durchsucht die eingängigen Portale wie Komoot oder Alltrails oder dergleichen.

Oder: man setzt sich an Komoot und planst selbst etwas. Dafür bin ich meiner Mitfahrerin Anke sehr dankbar! Danke für deine Planungsbegeisterung und die phantastische Strecke, die du uns serviert hast!

Kuchenpause auf 400km mit dem Rennrad
400km mit dem Rennrad gehen am besten mit Kuchenpausen

Wo sind wir also langgefahren?

Von Ohlsdorf aus ging es gen Norden über Henstedt-Ulzburg, Kisdorf und Schmalfeld raus. Dann biegen wir langsam gen Westen ab und peilen die Nordseeküste an. Die Strecke wird flacher als flach und es geht Richtung Dithmarschen. Bei Hohenhörn queeren wird den Nord-Ostsee-Kanal auf der Fähre und radeln weiter nach Meldorf. Da ist der erste richtige Bäckerstop, mehr dazu unten.

Über Wesselburen und Tönning geht es weiter gen Husum. Die Strecke wird so flach, dass es manchmal 4km geradeaus geht und man die Abbiegung schon aus 3,5km sieht. Mental herausfordernd, auch dazu unten mehr. In Husum brauchen wir erstmal was zum essen und machen kurz aber länger als gedacht Pause. Und dann kommt das Sahnstück gen Schleswig mit Rückenwind und Sonne.

Zack rüber zur Ostsee. Dort angekommen biegt unsere Route gen Süd-Osten ab. Wir radeln weiter bis Eckernförde und Gettorf und landen fast in Kiel, das wir nur streifen. Der Track biegt gen Süden ab und führt duch Wattenbek. Großes Blatt! Weiter nach Süden über Schilsdorf wo wir diesesmal leider keine Pause machen und über Rickling nach Wahlstedt und Bad Segeberg. Dort folgt die letzte Pause nach 350km. Tankestelle bei Dunkelheit, ein tiefes Brevetgefühl.

Dann folgt die Kür nach Hause. Dunkelheit. Bogen über Leezen, weil die Straße gesprerrt ist und endlich kennen wir den Weg. Sülfeld, das Kuchen-Mekka. Doch der Bäcker schläft schon oder backt bereits den Kuchen für morgen. 30km bekannte Strecke nach Hause und dann fallen wir ins Bett. Ohsldorf. Nachs um 01:00 Uhr.

Was muss mit?

Eine der schwierigsten Fragen. Was muss mit und wo kommt was rein?

Stembag (Verpflegung):

  • Nussmix
  • Powercake
  • Quetschie
  • Cliffbar
  • Magnesiumsticks
  • 1 Gel falls nix mehr geht

Toptubetasche (Technik und Badezimmer):

  • Ladekabel iPhone und wahoo
  • Powerbank
  • SON-Adapter USB
  • Rücklichter, Vorderlicht läuft über den Nabendynamo und ist bereits montiert
  • Sonnencreme
  • feuchte Tücher
  • Lippencreme
  • Sitzcreme
  • Kontaktlinsen-Ersatz & Augentropfen
  • Ersatzglas für die Sonnenbrille

Arschrakete (Werkstatt und Kleiderschrank):

  • Schläuche
  • Schaltzug
  • Kabelbinder
  • Kettenschloss
  • Patches
  • Multitool
  • Stirnlampe
  • Regenjacke & kurze Regenhose
  • Windweste
  • Handschuhe

Ebenfalls in der Arschrakete: 1. Hilfe Paket mit:

  • Mullbinde
  • Dreieckstuch (fürs Schlüsselbein)
  • Rettungsdecke für kalt oder Nickerchen
  • Wundkompresse und Pflaster für Kratzer
  • Omnistrips falls doch mal was größeres ist…

Sobald der Stembag leer gefressen ist, gilt es diesen aufzufüllen. Und weil bis dahin alles süß war, entschied ich mich für eine Tube Chips. Trotz größerer Hände konnte ich lange während der Fahrt Chips knabbern. Die, an die ich nicht mehr ran kam, hab ich dann im liegen gegessen. Samstag abend liegt doch fast jeder mit Chips irgendwo rum ;-).

Packliste für 400km mit dem Rennrad
Verpflegung mit dem Rennrad auf 400km

Mein Ziel war ist, möglich nicht allzuviele Dinge mitzunehmen und wenige Dinge in meine Trikottasche zu tun. Dort hatte ich ledglich meine Maske und meine Handytasche (mit Geld, Krankenkassenkarte, Organspendeausweis, EC-Karte) einpackt um mit wenig Gepäck radeln zu müssen.

Eine Übersicht meiner Packtaschen gibt´s übrigens als Highlight auf Instagram.

Wie war es da?

Es ging schon mal gut los! 5:00 Abfahrt in der sehr frühen Dämmerung. Anke und die beiden Mitfahrer waren gut drauf und wir kamen zügig voran. Die Kilometer waren bekannt und es ging richtig gut los. Wir wechselten uns vorne ab und fanden ein gutes gemeinsames Tempo. Wir beschlossen, dass wir zügig, aber nicht über Tempo fahren wollten und, dass wir nicht so sehr viele lange Pausen machen wollten. Der erste Kaffee wurde schnell verschlürft und ich drängelte immer ein wenig, dass wir wieder weiter fahren. Die anderen sahen es mir nach ;-).

Ein kurzer Platten-Stop und dann noch ein zweiter Stop hielten uns nur kurz auf. Das Wetter war bedeckt, der Wind kam schräg von vorn und ich freute mich auf den Weg nach Schleswig, denn dort gibt es Rückwind. Bis Husum gab es reichtlich lange gerade Abschnitte, die ein wenig eintönig wurden. Da hilft nur abwarten, weiterfahren. Kurz vor Husum kam endlich die Sonne raus und wir hatten alle eine Paus nötig, denn immerhin waren wir schon 185km unterwegs und da kann man ja mal eine kleine Pause machen.

Auf 400km mit 4 Leuten, also 1600km gibt es Platten
Schnelle Plattenreparatur auf 400km mit dem Rennrad

Wir enterten den Supermarkt und plünderten die ToGo-Regale. In der Sonne schlemmten wir vegetarische Würstchen und die schon erwähnten Chips. Und Kakao. Die Laune stieg wieder, denn vor der Pause war die Laune doch etwas “sparsam”. Bei Hunger kann ich wirklich nicht gut Radfahren. Oder Reden. Oder beides. Danach ging es in Kurz-Kurz, satt und mit Sonnenschein nach Schleswig. Ostsee hat eben immer gute Bedingungen.

Die Strecke wurde etwas hügeliger und der Ausblick auf Schleswig mit Rückenwind war phantastisch. Wir rollten gut weiter. Bis nach Eckernförde. Dort mussten wir Pause machen. Es war warm, fast wie im Sommer. Ein Eis von der Tanke und ein Kilo Gummibären aus der Arschrakete des Mitfahrers spendeten neue Kraft. 250 Kilometer hatten wir bereits geschafft.

Meine Anspannung wurde etwas weniger, aber es überkam mich das Gefühl, dass es noch ein längerer Nachmittag/Abend werden würde… Weiter nach Kiel! Und gleich weiter Richtung Molfsee. Die Beschilderung nach Molfsee verfolgte uns.

Immer ging es nach Molfsee, aber nie kamen wir da an. Schon auch komisch.

Zum Glück ging es dann weiter nach Schilsdorf, kein Bauernfrühstück in Schilsdorf. Es sind noch Kilometer da! Doch die 300km hatten wir geschafft! Bei Kilometer 330 war jedoch kurz mal der Akku alle. Auf einem trockenen Radweg musste ich kurz mal liegen. Kurz das eigene Gewicht an den Boden abgeben, einen Chip essen, Augen zu machen. 5 Minuten Entspannung. Merkwürdig fand ich jedoch, dass von 4 Radfahrenden 3 auf dem Boden lagen und kein vorbeifahrendes Auto auch nur ansatzweise anhalten wollte… Uns ging es gut, aber fragt man sich das nicht im Auto?

Weiter ging es. Trappenkamp und dann nach Segeberg. Die Sonne war schon weg, es waren noch 50km und die wurden zäh. Zunächst noch ein kleiner Stop an der Tankstelle, im Dunkeln, sehr brevetmäßig. Gefolgt von kurzer Streckenirritation in Segeberg, die Verkehrsführung da ist immer wieder ein Alptraum. Aber die Tanke war eben 24h offen. Dann stieg der wahoo aus und stoppte die Navigation und Kilometerzählung. Aber den Rest schafften wir auch ohne! Warum das passierte, bleibt bis heute unklar…

Die verbleibenden 50km in Dunkelheit waren speziell. Ich fahre nicht gerne und viel im Dunkeln und mag es eigentlich nicht. Andererseits reduziert es die Eindrücke. Der Fokus meiner Aufmerksamkeit verändert sich. Der Lichtkegel auf der Straße wird das Wichtigste der Aufmerksamkeit, gelegentlich raschelt es rechts und links im Gebüsch. Ich rausche vorbei. Das sind schon spezielle Momente, die bei mir einen tiefen Eindruck hinterlassen.

Und dann kam endlich Sülfeld und die Strecke war bekannt. Es ging nach Hause. Dort fiel ich erledigt um 01:00 Uhr ins Bett. Was für ein Tag, was für ein Abenteuer!

Ich glaube, dass ich nie bessere 400km gefahren bin, der Schnitt war toll, (27km/h irgendwas…auf den ersten 200 Kilometern), die Mitfahrenden waren toll, es war alles gut an diesem Tag. Wirklich alles. Ein echter TopTach!

Danke ihr verrückten Mitfahrer, dass wir das zusammen gemacht haben.

Und wer sich nun fragt: Wie mache ich das? Macht es einfach! Fahrt los, sammelt Kilometer, optmiert einer Setup, euer Mindset, probiert es aus. Es kann nur gut werden!

Hier geht es zur Übersicht auf Strava.

 

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